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Postkolonialismus: Latin American Women Artists (1960-1980)
Symposium auf Englisch
Freitag, 6. Juli 2018, 11:00

Haus der Kunst

Das eintägige Symposium geht den verschiedenen Formen feministischer Kunstpraxis nach, die sich zwischen 1960 und 1980 in Mittel- und Südamerika entwickelt haben, und plädiert für eine Neueinschätzung und -bewertung der Vorstellung einer "Dritten Welt" durch die Erforschung der Historiographie von Ausstellungen sowie künstlerischen und politischen Aktionen innerhalb des symbolischen Rahmens des Feminismus. Ausgehend von der Bandung Conference 1955 und der darauffolgenden Entstehung der Blockfreien-Bewegung hat sich das Verständnis der "Dritten Welt" verschoben: von der Bezeichnung für eine politische Position, die sowohl im kapitalistischen Westen als auch im kommunistischen Osten zu Hause war, zu einer Identifikation der kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen sogenannter 'unterentwickelter' Länder – ein Standpunkt, der wiederum zu einer falschen, homogenisierenden Auffassung von einer "Dritten Welt" führte.

Eine solche unzutreffende Bezeichnung ist besonders ungeheuerlich, wenn man die Pluralität von Hautfarbe, Ethnizität und Gender in Lateinamerika bedenkt, einer Region, deren vielfache Identitäten und interkulturelle Komplexitäten für gewöhnlich im Rahmen des 'mestizaje' (Ehe zwischen Personen verschiedener Hautfarbe, 'Vermischung') analysiert werden. Doch selbst ein so vager Begriff wie 'mestizaje' kann sich nicht der Tendenz entziehen, Missverhältnisse und Konflikte innerhalb verschiedener kultureller Gemeinschaften zu ignorieren und damit das Risiko einzugehen, ein 'attraktives Stereotyp für den Blick von außen' zu werden, wie Gerardo Mosquera warnend bemerkt hat. Das Symposium "Den 'Dritte Welt'- Feminismus dekolonialisieren: Lateinamerikanische Künstlerinnen (1960-1980)" positioniert sich zwischen der totalisierenden Tendenz des Begriffes "Dritte Welt" und den orientalistischen Neigungen des 'mestizaje' und betrachtet den erwähnten historischen Augenblick durch die Linse des Feminismus. Hierdurch sollen sowohl seine inhärenten Widersprüche aufgezeigt als auch seine politischen und kulturellen Besonderheiten befragt werden, um Modi des Widerstands gegen patriarchale Hierarchien und hegemoniale Formen feministischer Identifikation herauszustellen und zu lokalisieren. Die Idee, dass Frauen der "Dritten Welt" eine homogene Gruppe bilden, die 'durch das Gewicht ihrer Traditionen, ihrer Kultur und ihrer Glaubenssysteme' und "unsere" (eurozentrischen) Geschichte zu Opfern gemacht werden', wird hierdurch ebenso vermieden wie die Vorstellung von irgendeiner "universellen Schwesternschaft", die eine Gemeinsamkeit von Gender-Erfahrung über ethnische und staatliche Grenzen hinweg unterstellt.

Stattdessen folgt das Symposium dem Aufruf von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die für eine neue analytische Methode plädieren, die den Kampf lateinamerikanischer Frauen in Bezug zu ihrer Geschichte, ihrem kulturellen Kontext, ihrer wirtschaftlichen Klasse und ihrer gesellschaftlichen Identität betrachtet. Das Symposium bemüht sich also darum, die Existenz verschiedener 'Feminismen' und die dazugehörigen dekolonialisierenden Positionen aufzuzeigen, dabei ethnische und kulturelle Unterschiede zu berücksichtigen und ihre politischen und wirtschaftlichen Implikationen zu erforschen. Indem auch die Intersektionalität zwischen der afrikanischen Bevölkerung in Lateinamerika, Bewegungen der Native Americans sowie Unterschiede zwischen Latino- und lateinamerikanischen Identitäten analysiert werden, will das Symposium "Den 'Dritte Welt'- Feminismus dekolonialisieren: Lateinamerikanische Künstlerinnen (1960-1980)" die Idee des lateinamerikanischen Feminismus noch weiter komplizieren.

Bitte reservieren Sie ihr Ticket hier.


Abb.: Haus der Kunst.


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